Österreich startet gemeinsame Ausschreibung für neue Schmalspur-Zugflotten

Jian Oren
Veröffentlicht 23. September 2026 · 4 Aufrufe
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Österreich startet gemeinsame Ausschreibung für neue Schmalspur-Zugflotten
Editorial Collage

Tirol, Salzburg und die Steiermark schreiben gemeinsam rund 19 neue Elektro- und Batteriezüge für Zillertalbahn, Pinzgauer Lokalbahn und Murtalbahn aus. Der Bund erhöht ab 2027 die Mittel für Privatbahnen.

Österreichs Regionen Tirol, Salzburg und Steiermark bündeln ihre Kräfte, um neue elektrische und batterieelektrische Züge für drei Schmalspurnetze zu beschaffen. Durch die Zusammenlegung ihrer Bestellungen wollen sie Beschaffungs- und Instandhaltungskosten senken. Die gemeinsame Ausschreibung umfasst die Zillertalbahn, die Pinzgauer Lokalbahn und die Murtalbahn und soll deren Umstieg vom Dieselbetrieb unterstützen.

Die Beschaffung ist Teil eines umfassenderen Modernisierungsprogramms für Regionalbahnen; die österreichische Bundesregierung erhöht ab 2027 die Mittel für die private Bahninfrastruktur. Die drei Landesregierungen haben ihre technischen Anforderungen aufeinander abgestimmt und bereiten eine gemeinsame Ausschreibung vor, statt die kleinen Flotten getrennt zu kaufen.

Drei Bahnen, eine Beschaffung

Die Zillertalbahn in Tirol, die Pinzgauer Lokalbahn in Salzburg und die Murtalbahn in Steiermark betreiben verhältnismäßig kleine regionale Netze, spielen aber eine wichtige Rolle für Pendlerverkehr und Tourismus. Ihre Infrastruktur und ihr Fahrzeugbestand stützten sich historisch stark auf Dieselantrieb, was die Flottenerneuerung wegen des begrenzten Marktes für spezialisierte Schmalspurzüge zunehmend erschwert.

Die Murtalbahn verdeutlicht das Problem besonders deutlich. Ihre Spurweite beträgt 760 mm, ein in Europa relativ unüblicher Standard, während die Bahn über eine vergleichsweise kleine Flotte verfügt. Die Steiermark hat erklärt, diese Kombination lasse Herstellern wenig wirtschaftlichen Anreiz, Fahrzeuge im Rahmen eines eigenständigen Beschaffungsverfahrens zu entwickeln oder zu liefern. Die Bündelung der Nachfrage mit den beiden anderen Bahnen schafft eine größere Bestellung und ermöglicht es den Betreibern, Teile der Beschaffungs- und Instandhaltungsvereinbarungen zu standardisieren.

Die drei Bahnen sollen rund 19 neue Triebzüge beschaffen: sechs für die Zillertalbahn, acht für die Pinzgauer Lokalbahn und fünf für die Murtalbahn. Die gemeinsame Beschaffung soll Einsparungen sowohl beim Kauf als auch über die gesamte Betriebslebensdauer der Fahrzeuge bringen.

Vom Diesel zum Elektro- und Batteriebetrieb

Die Beschaffung ist eng mit der Elektrifizierung der drei Netze verbunden. Die geplanten Flotten sollen elektrische oder batteriehybride Antriebe nutzen, sodass sich die Bahnen vom konventionellen Dieselantrieb lösen können, während sie den unterschiedlichen Infrastrukturbedingungen der drei Strecken Rechnung tragen.

Bei der Zillertalbahn sollen die neuen batteriehybriden Züge bis 2030 in Betrieb gehen. Die Murtalbahn folgt später, ihre neuen Züge werden ab 2033 erwartet. Der Übergang erfordert nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Investitionen in Elektrifizierung, Depots, Werkstätten und weitere Bahninfrastruktur.

Das Murtalbahn-Projekt umfasst zudem Infrastrukturverbesserungen, die die Betriebsleistung erhöhen sollen. Die geplante Modernisierung soll die Fahrzeit zwischen Unzmarkt und Murau von 36 auf 24 Minuten verkürzen und damit die Rolle der Bahn für die regionale Mobilität stärken.

Bundesmittel erweitern das Programm

Die gemeinsame Beschaffung wurde teilweise durch zusätzliche Bundesunterstützung ermöglicht. Österreichs Mittelfristiges Investitionsprogramm für Privatbahnen wird im Budgetrahmen 2027/2028 ausgeweitet, ab 2027 stehen zusätzlich 25 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Damit steigt die jährliche Gesamtfinanzierung des Programms auf rund 114 Millionen Euro.

Die Bundesregierung wird zudem Mittel für den Kauf der neuen elektrisch betriebenen Fahrzeuge bereitstellen, damit die drei Regionen die Ausschreibung durchführen können. Das breitere Finanzierungspaket soll die Infrastrukturarbeiten abdecken, die für den Wechsel von Diesel- auf Elektro- und Batteriebetrieb nötig sind.

Für die Regionen adressiert dieser Ansatz zwei Einschränkungen zugleich: die hohen Kosten der Modernisierung verhältnismäßig kleiner Bahnsysteme und die begrenzte Verfügbarkeit spezialisierter Schmalspurfahrzeuge. Statt jede Bahn als eigenen Markt zu behandeln, nutzen die Behörden eine größere gebündelte Bestellung, um die Wirtschaftlichkeit des Übergangs zu verbessern.

Ein größerer Test für die Modernisierung des Regionalverkehrs

Das österreichische Programm geht über den Ersatz alternder Züge hinaus. Die drei Bahnnetze erschließen Gebiete, in denen die Bahn sowohl für den alltäglichen Pendlerverkehr als auch für den Tourismus genutzt wird, weshalb ihr Weiterbetrieb sowohl für die regionale Wirtschaftstätigkeit als auch für den öffentlichen Verkehr relevant ist.

Das Bundesministerium für Mobilität erwartet, dass die Investition über mehrere Jahre Arbeit für Bahnhersteller, Infrastrukturunternehmen und regionale Baufirmen schafft. Die Regierung verknüpft die Umstellung zudem mit breiteren Bemühungen zur Dekarbonisierung des Verkehrs, während die Regionen in den neuen Flotten einen Weg sehen, verlässlichen öffentlichen Verkehr außerhalb der großen Ballungszentren Österreichs zu erhalten.

Die gemeinsame Ausschreibung spiegelt damit ein breiteres Beschaffungsmodell für kleinere europäische Bahnsysteme wider. Wo einzelne regionale Betreiber nicht genügend Nachfrage haben, um einen wettbewerbsfähigen Markt für spezialisierte Fahrzeuge zu stützen, kann koordinierter Einkauf eine größere Bestellung schaffen, ohne dass die Netze selbst fusioniert werden müssen.

Für Österreichs Schmalspurbahnen besteht das unmittelbare Ziel darin, neues Rollmaterial zu sichern. Die längerfristige Herausforderung wird sein, die Infrastrukturverbesserungen termingerecht abzuschließen und sicherzustellen, dass die neuen Elektro- und Batteriezüge die versprochenen Verbesserungen bei Zuverlässigkeit, Kapazität und Fahrzeiten liefern.

Quellen: Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, Railway Gazette, ORF Tirol

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